Vergessene Orte am Schlachtensee

Schlachtensee 2012
Bevor die Berliner in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Dörfer im städtischen Umland als Wohngegenden für sich erschlossen und Villenviertel errichteten, entdeckten sie die Brandenburger Wälder und Seen als Naherholungsgebiete. Eine kleine Geschichte der Entdeckung des Schlachtensees im Grunewald.

Die Entdeckung des Grunewaldes

„Hier noch nicht dagewesen!“ Am 16. Juli 1879 kündigte der Gastronom Fritz Kienast in einer Annonce in der Regionalpresse die „erste große Tauchervorstellung“ im Schlachtensee an, ausgeführt „von dem aus Amerika hier anwesenden berühmten Taucher John Cock“. Dieser werde vor dem Restaurant „Auf dem Kynast“ ein „vollständig ausgerüstetes, bemanntes Schiff in den Grund bohren, Menschen und Utensilien aus der Tiefe des Sees retten und zum Schluss das ganze Schiff vom Grunde an die Oberfläche befördern.“[1]

Wie man sich dieses Unterfangen in dem bis zu 8,5 Meter tiefen Schlachtensee konkret vorzustellen hat, scheint nicht überliefert zu sein. Nachgewiesen ist aber, dass der Schlachtenseer Gastronom in den Juli- und Augustwochen des Jahres 1879 mehrere dieser Tauchervorstellungen organisierte und mit dieser Attraktion um die zahlreichen Berlinerinnen und Berliner warb, die ihre Freizeit im Umland der Reichshauptstadt verbrachten.[2] Es war die Zeit, als die Berliner ihr ländliches Umland entdeckten und findige Geschäftsleute begannen, diesen Umstand gastronomisch zu nutzen.

Erst fünf Jahre zuvor – Anfang Juni 1874 – war die Wannseebahn in Betrieb genommen worden, eine für den Ausflugsbetrieb errichtete Strecke vom Bahnhof Zehlendorf über Wannsee zum Bahnhof Griebnitzsee (damals Neubabelsberg). Bis zu diesem Zeitpunkt war der Schlachtensee nur in einem etwa halbstündigen Fußmarsch aus Zehlendorf erreichbar, das an der 1838 eröffneten, ersten Eisenbahnstrecke Preußens – der Berlin-Potsdamer Eisenbahn – lag.[3] Der Wald hatte noch „ein anderes Aussehen“, beschrieb Bernhard Thurn die Situation Mitte des 19. Jahrhunderts. „Damals führten keine Chausseen durch denselben (…). Die wenigen Touristen, welche zu dieser Zeit die erquickende Stille aufsuchten, fuhren mit der Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahn bis zur Station Zehlendorf und wanderten von dort aus durch das grünbelaubte Waldrevier.“[4] Mit dem auf der Strecke der Wannseebahn neu eröffneten Bahnhof Schlachtensee gab es nun ab Mitte der 1870er Jahre eine unmittelbare Anbindung des Sees an das Berliner Eisenbahnnetz.

Wurde die Wannseebahn aufgrund ihrer Streckenführung durch weitgehend unerschlossenes Wald- und Ackergelände anfangs noch als „Wahnsinnsbahn“ verspottet,[5] wussten sie bald immer mehr Berliner als schnelle Verbindung zum Schlachtensee zu schätzen. Ein Berliner Leserbriefautor schwärmte: „Man ist weit genug entfernt von der Residenz, um in der freien Natur recht herzhaft aufatmen zu können, und der Metropole immerhin nahe genug, um sich nicht von dem Weltverkehr gänzlich abgeschlossen zu fühlen.“[6]

Ein Schloss am See

Die „Restauration Auf dem Kynast“ war eine von drei Ausflugslokalen, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts am Schlachtensee etablierten. Der Gastronom Kienast hatte ein als Schweizerhaus[7] bezeichnetes Anwesen an der Südseite des Sees aus bäuerlichem Besitz gekauft und Ende der 1860er bzw. Anfang der 1870er Jahre ein Ausflugslokal eröffnet.[8] Von den drei Restaurants hatte es die kürzeste Entfernung zum neuen Bahnhof, verfügte über einen direkten Uferzugang und Seeblick. Um 1887 kam eine ausgebaute Chaussee hinzu, die das Ausflugsziel mit der Chaussee verband, die von Potsdam über Zehlendorf nach Berlin führte[9] und bereits knapp 100 Jahre zuvor befestigt worden war.[10]

Ende der 1880er Jahre verkaufte Kienast das Lokal für 200.000 Mark an den Berliner Direktor F. Räntsch, der es umfangreich renovierte, umbaute und erweiterte.[11] Im Juni 1889 wurde das Etablissement unter dem neuen Namen „Schloss Schlachtensee“ wieder eröffnet. „Dieses reizend gelegene Sommer-Vergnügungs-Lokal, im Volksmunde ‚die Perle vom Schlachtensee‘ genannt, bietet mit seinen Pavillons, Veranden, neuerbauten Zelten etc. auch bei ungünstigem Wetter den angenehmsten Aufenthalt für mehr als 1.000 Personen“, hieß es in der Annonce zur Neueröffnung. Angepriesen wurden die „aufmerksame Bedienung und civilen Preise“ sowie „Volksbelustigungen aller Art“ – inklusive der „Bootfahrt auf dem herrlichen See.“[12]

Bereits ein Jahr später hatte Räntsch einen weiteren Neubau fertiggestellt: „einen mit reicher Ornamentmalerei und Sinnsprüchen, mit vornehm gehaltener Stuckarbeit und gediegener Wandbekleidung geschmückten Sommersaal, der aus zwei übereinander liegenden, weiten und luftigen Räumen besteht, und den schönsten Ausblick auf und über den See gewährt.“ Die Presse schwärmte: „Blumen und Rasenanlagen werden das schmucke Sommerhaus umgeben, und all‘ die übrigen Anlagen, die großen Zelte und kleineren Veranden, die lauschigen Plätze dicht am See werden sich zu einem der angenehmsten Aufenthaltsorte in der Umgegend vereinen.“[13]

Nach dem frühen Tod des erst 47jährigen Räntsch blieb das Lokal im Besitz seiner Witwe. Den Betrieb übernahm in der ersten Jahreshälfte 1892 der bisherige Oberkellner, Albert Griebel, pachtweise.[14] Mehrere Säle, Pavillons und Terrassen, die sich über dem Ufer des Schlachtensees über den Hang zu einem weitläufigen Ensemble verteilten, boten inzwischen 2.000 Personen Platz. Den Eingang zierten prunkvolle Tore. Mit neuen Stallungen für rund 100 Pferde verfügte das Etablissement über einen großen „Parkplatz“ und mit der im 30-Minuten-Takt verkehrenden Wannseebahn über eine hervorragende Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr.[15] „Kaum ein Lokal des ganzen Grunewalds vermag sich mit diesem Etablissement, was Großartigkeit der Einrichtung, die idylische Lage am See, den gesunden Aufenthalt anbetrifft, zu vergleichen“, berichtete die Presse im Juni 1892.[16]

In den folgenden Jahren wechselten die Pächter erneut. Zunächst übernahm der Schwager der Besitzerin das Lokal. Ab Februar 1903 pachtete dann der Gastronom Georg Stegemann das „Schloss“.[17] Für letzteren war die Lokalität am Schlachtensee alles andere als neu – war er doch bereits Wirt eines der anderen beiden Ausflugslokale: der Neuen Fischerhütte.

Ansichtskarte vom Schloss Schlachtensee, gelaufen 1898 (Quelle: zeno.org)

Ansichtskarte vom „Schloss Schlachtensee“, gelaufen 1898 (Quelle: zeno.org)

Neue Fischerhütte

Die „Neue Fischerhütte“ lag westlich in unmittelbarer Nähe zum „Schloss Schlachtensee“. Hier war 1853 ein Fischerhaus erbaut worden, das bald gastronomisch bewirtschaftet wurde. Im Teltower Kreisblatt vom September 1864 findet sich eine Anzeige des damaligen Restaurateurs Wilhelm Dänigmann, in der er ein „Erstes Pferderennen mit Ringstechen“ und Konzert bei der Neuen Fischerhütte angekündigte, „wozu Reitliebhaber ergebenst eingeladen werden.“[18]

Keine drei Jahre später musste Dänigmann offenbar Konkurs anmelden, wie einer Mitteilung des Königlichen Kreisgerichts vom Januar 1867 zu entnehmen ist.[19] In den 1870er Jahren betrieb Fritz Künast die Neue Fischerhütte, teilweise offenbar zeitgleich mit der daneben liegenden Restauration „Auf dem Kynast“.[20]

Mit der Eröffnung der Wannseebahn erlebte auch die „Neue Fischerhütte“ einen „großartigen Aufschwung“.[21] Ein Gast schwärmte 1882: „Nach anderthalbstündiger Bootfahrt auf dem Schlachtensee landeten wir bei der neuen Fischerhütte, wo wir eine vorzügliche Weiße und nicht minder vorzügliches Bairisches Bier vorfanden. In einem Saale wurde zum Tanz aufgespielt.“[22]

Bootsfahren auf dem Schlachtensee waren schon damals sehr beliebt: „Solch eine Bootsfahrt, besonders wenn sie in den Abendstunden unternommen wird, zählt zu den höchsten Naturgenüssen die See und Wald zu bieten vermögen,“[23] schilderte Theodor Fontane seine Eindrücke.

1896 erbaute der Fischer und Bootsbauer August Hensel kleinere Gebäude am Seeufer zwischen der Neuen Fischerhütte und dem „Schloss Schlachtensee“. Hier betrieb er einen Bootsverleih. Außerdem gab es Fähre, die zwischen der Neuen und der Alten Fischerhütte verkehrte. Von der Neuen Fischerhütte konnte man zudem zu zwei Anlegestellen am Nordufer übersetzen, die sich in der Nähe der gegenüberliegenden Badeanstalt sowie am Weg zum Forsthaus Wannsee befanden.[24]

Im Mai 1899 verstarb der langjährige Betreiber der Neuen Fischerhütte, Johann Stegemann. Sein Sohn Georg führte die Geschäfte einige Jahre fort, bevor er sich ab 1904 voll dem Betrieb von „Schloss Schlachtensee“ widmete.[25]

Neue Fischerhütte um 1938 (Quelle: Flickr / Thomas Lautenschlag)

Neue Fischerhütte um 1938 (Quelle: Flickr / Thomas Lautenschlag)

Alte Fischerhütte

Zum dritten großen Ausflugslokal am Schlachtensee entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts die „Alte Fischerhütte“ am nordöstlichen Ufer. Hier hatten sich Mitte des 18. Jahrhunderts die ersten neuzeitlichen Siedler niedergelassen und um 1759 eine kleine Hütte errichtet.[26]. Das ursprüngliche Erscheinungsbild dieser Fischerhütte ist durch eine Handzeichnung des Berliner Illustrator Gustav Annemüller (1826-1901) aus dem Jahr 1842 überliefert.

Die alte Fischerhütte am Schlachtensee, 1842 (Quelle: forst-grunewald.de)

Die alte Fischerhütte am Schlachtensee, 1842 (Quelle: forst-grunewald.de)

Das Aussehen des „alten, rohrgedeckten, nach wendischer Art erbauten Fischerhäuschens“ bewog Theodor Fontane zu der Vermutung, es sei „aller Wahrscheinlichkeit nach ein Überbleibsel des alten Slatdorfs gewesen.“[27] „Slatdorp“ war der Name eines wahrscheinlich von Deutschen und Wenden gemeinsam bewohnten Dorfes am Schlachtensee, das im Jahr 1242 einmalig urkundlich erwähnt wurde. Damals verkauften die askanischen Markgrafen Johann I. und Otto III. Zehlendorf und das umliegende Gebiet für 300 Mark Silber an das Kloster Lehnin. Mitverkauft wurden auch die beiden Seen „Slatsee“ (Schlachtensee) und „Imtzen“ sowie die „villa slavica“ (slawische Siedlung) Slatdorp.[28] Das Dorf war wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstanden, als „in der ersten Siedlungswelle (…) Deutsche und Slawen von dem nicht besetzten, sandigen und mit dem Holzhackenpflug leicht zu bearbeitenden Boden im Raum Zehlendorf gemeinsam Besitz ergriffen.“[29] Bereits im 13. Jahrhundert wurden mit der Einführung der Dreifelderwirtschaft und des Räderpfluges mehrere Dörfer in der Umgebung zusammengelegt und ihre Einwohner vermutlich nach Zehlendorf umgesiedelt. Im Zuge dessen war auch Slatdorp um 1300 bereits wieder aufgegeben worden.

In den 1960er Jahren gemachte Funde deuten darauf hin, dass die mittelalterliche Siedlung am südlichen Ufer des Schlachtensees lag[30] – wohl etwa auf dem am Bahnhof gelegenen Abschnitt des heutigen Paul-Ernst-Parks. Fontane hatte sich also getäuscht: Die Alte Fischerhütte war trotz ihrer wendisch anmutenden Erscheinung kein Überbleibsel der mittelalterlichen Besiedlung.

In den 1840er Jahren wurde der Schlachtensee vom Fischer Beelitz bewirtschaftet. Seine Frau betrieb in der Fischerhütte „nebenher eine kleine Gastwirtschaft, in der sie sich bald als ‚Mutter Belitz‘ ein eigenes Denkmal setzte.“[31] Es war der Ursprung des gastronomischen Betriebs am Schlachtensee. Das gastronomische Angebot war damals – 30 Jahre vor dem Bau des Bahnhofs – noch genauso überschaubar wie die Zahl der Ausflügler, die in der Alten Fischerhütte Rast machten. Berichten zufolge fand man hier nur „die allernotwendigsten Erfrischungen. Meistens waren aber die Touristen darauf angewiesen, den nötigen Mundvorrat selbst mitzunehmen.“[32]

Am 2. März 1863 brannte die alte Hütte ab.[33] 1877 erbaute der Eigentümer des Grundstücks, der Zehlendorfer Amtsvorsteher Julius Pasewaldt, an ihrer Stelle das Restaurant „Alte Fischerhütte“.[34] Das Lokal machte sich rasch einen Namen als „Idyll am Schlachtensee“: „Die getreuen und ehrbahren Stammgäste der gemüthlichen ‚Alten Hütte‘ kommen; ob es regnet, ob es schneit oder ob die Sonne scheint“,[35] berichtete die Presse 1884. „Dieses in herrlicher Lage im Mittelpunkt des Grunewalds und direkt am Schlachtensee sehr schön gelegene Restaurant mit Promenaden hält sich zu Landparthieen dem geehrten Publikum, Gesellschaften, Fabriken und Schulen bestens empfohlen“, schrieb der damalige Pächter Hermann Marquard einige Jahre später in einem Inserat.[36] Erreichbar war die Alte Fischerhütte unter anderem in einem zehnminütigen Fußmarsch über den Uferweg vom Bahnhof Schlachtensee sowie über eine „neue Schlacken-Chaussee“, die das Lokal mit der Grunewald-Chaussee verband.[37]

1892 erweiterte Marquard das Restaurant um einen 500 qm großen Saal.[38] Das Lokal bot nun Platz für über 3.000 Personen. Es gab „täglich Tanzmusik, 3 neue verdeckte Kegelbahnen (…), Familienkaffeeküche und Volksbelustigungen aller Art“ sowie Stallungen für 150 Pferde.[39]

Ein Zeitzeuge schwärmte 1902 vom „guten Ruf“ der Alten Fischerhütte, der sichnicht nur durch die leiblichen Genüsse, welche sie bietet, sondern auch durch den schönen Ausblick von ihren Veranden und Terrassen und durch die von hier aus zur Abendzeit und im Mondesschimmer unternommenen Kahnfahrten rechtfertigt.“[40]

Alte Fischerhütte am Schlachtensee, Ansichtskarte, gelaufen 1899 (Quelle: zeno.org)

Alte Fischerhütte am Schlachtensee, Ansichtskarte, gelaufen 1899 (Quelle: zeno.org)

Alte Fischerhütte um 1905 (Quelle: zeno.org)

Alte Fischerhütte um 1905 (Quelle: zeno.org)

Zeitsprung

100 Jahre später stand die Alten Fischerhütte heruntergekommen und verlassen im Wald. Seit 1995 war ein neuer Investor gesucht, der gastronomische Betrieb 1999 eingestellt worden. 2002 übernahm der österreichische Gastronom Josef Laggner die baufälligen Gebäude, sanierte das alte Haupthaus und ersetzte Teile des alten Ausflugslokals durch einen Neubau. Im Juni 2005 wurde das Traditionslokal wiedereröffnet. Von den drei großen, ehemaligen Ausflugsrestaurants ist es das einzige, das übrig geblieben ist.

Am Südufer mussten die Säle und Terrassen der Neuen Fischerhütte bereits in den 1930er Jahren dem Bau der Marinesiedlung weichen: Zwischen 1938 und 1943 entstanden an ihrer Stelle oberhalb des Schlachtensees Wohnbauten für gehobene Marineoffiziere. Einer der prominentesten Berliner, die nach dem Zweiten Weltkrieg dort wohnten, war der damalige Regierende Bürgermeister, Willy Brandt. 1955 bezog er mit seiner Frau Ruth eine Wohnung am Marinesteig 14. Dort, wo sich noch wenige Jahrzehnte vorher die Gäste auf der Veranda der Neuen Fischerhütte aufhielten, befand sich nun Brandts Terrasse hinter seinem Wohnhaus.

Im gleichen Jahr, als Willy Brandt am Marinesteig einzog, wurde „Schloss Schlachtensee“ abgerissen. Auf dem heute unbebauten Gelände am Uferhang zwischen der Einfahrt zum Anwesen Am Schlachtensee 74 und der Marinesiedlung erinnert kaum noch etwas an das frühere „Schloss“. Allenfalls einige Bodenunebenheiten und Mauerreste lassen sich als mutmaßliche Überbleibsel interpretieren.

Willy Brandt mit seinen Söhnen Peter und Lars am Bootsverleih unterhalb seines Wohnhauses am Schlachtensee, 17. September 1961 (Quelle: Landesarchiv Berlin)

Willy Brandt mit seinen Söhnen Peter und Lars am Bootsverleih unterhalb seines Wohnhauses am Schlachtensee, 17. September 1961 (Quelle: Landesarchiv Berlin)

Erhalten geblieben sind dagegen die etwas unterhalb am Ufer, zwischen Schloss und Neuer Fischerhütte gelegenen alten Gebäude von Fischer Hensel. Wie vor 100 Jahren ist der Bootsverleih am Schlachtensee im Sommer ein beliebtes Ziel für Ausflügler. Der heutige Betreiber hatte den Bootsverleih 1988 von Günter Hensel übernommen, dem Enkel von August Hensel, der ihn 90 Jahre vorher gegründet hatte.[41]

Die eigentlichen, bis heute prägenden Folgen der Entdeckung des Grunewaldes und seiner Seen ab Mitte des 19. Jahrhunderts sind allerdings die Villenkolonien in Zehlendorf – von Dahlem bis zum Wannsee. Manch Berliner Ausflügler, der sich damals am Schlachtensee und in einer seiner drei großen Restaurationen vom Alltag der Großstadt erholte und „es sich leisten konnte, überlegte, hier eine längere Zeit des Sommers zu verbringen. (…) Der Gedanke, zwischen Berlin und Potsdam eine Kette von Villenkolonien in wald- und seenreicher Umgebung zu schaffen, folgte aus dieser Entwicklung.“[42] So wurde aus dem kleinen Dorf vor den Toren der großen Stadt innerhalb weniger Jahrzehnte einer der beliebtesten Wohnbezirke Berlins.

Links

Historische Aufnahmen: forst-grunewald.de

Willy Brandt am Schlachtensee: Landesarchiv Berlin Seite 1, Seite 2


[1] Teltower Kreisblatt vom 16.07.1879.

[2] So finden sich im Teltower Kreisblatt in den beiden Sommermonaten mehrere Anzeigen, mit denen Fritz Kienast die Vorstellungen ankündigte.

[3] Die Wannseebahn zweigte am Bahnhof Zehlendorf von der Berlin-Potsdamer Eisenbahn (der so genannten Stammbahn) ab und traf am Bahnhof Griebnitzsee wieder mit dieser zusammen. Während diese Strecke heute noch in Betrieb ist, existiert der Abschnitt der Stammbahn zwischen diesen beiden Bahnhöfen nicht mehr. Informationen zur Stammbahn gibt es zum Beispiel auf der Homepage der Bürgerinitiative Stammbahn (www.stammbahn.de) sowie unter www.berliner-bahnen.de. Einen technik- und verkehrsgeschichtlichen Überblick gibt Handke, Stefan 1988: Die Eisenbahn Berlin-Potsdam. Die Wannseebahn, Berlin 1988.

[4] Bernhard Thurn: Volksbuch Märkische Heimat, 1891, zit. nach: Ellerbrock, Wolfgang: Mönche, Fischer und Bürger: 100 Jahre Landhauskolonie Schlachtensee. Heimat- und sozialgeschichtliche Skizzen, Berlin 1995, S. 29.

[5] Vgl. Handke, Stefan: Die Eisenbahn Berlin-Potsdam. Die Wannseebahn, Berlin 1988, S. 89.

[6] Teltower Kreisblatt vom 14.06.1882.

[7] Vgl. Teltower Kreisblatt vom 26.04.1884.

[8] Ellerbrock datiert die Eröffnung auf das Jahr 1869, vgl. Ellerbrock, Wolfgang: Mönche, Fischer und Bürger: 100 Jahre Landhauskolonie Schlachtensee. Heimat- und sozialgeschichtliche Skizzen, Berlin 1995, S. 29.

[9] Vgl. Teltower Kreisblatt vom 20.09.1887.

[10] Vgl. Historische Kommission zu Berlin: Zehlendorf, Berlin 1992, S. 3.

[11] Vgl. Ellerbrock, Wolfgang: Mönche, Fischer und Bürger: 100 Jahre Landhauskolonie Schlachtensee. Heimat- und sozialgeschichtliche Skizzen, Berlin 1995, S. 73.

[12] Teltower Kreisblatt vom 08.06.1889.

[13] Teltower Kreisblatt vom 24.05.1890.

[14] Vgl. Ellerbrock, Wolfgang: Mönche, Fischer und Bürger: 100 Jahre Landhauskolonie Schlachtensee. Heimat- und sozialgeschichtliche Skizzen, Berlin 1995, S. 73.

[15] Vgl. Teltower Kreisblatt vom 11.06.1892.

[16] Ebd.

[17] Vgl. Ellerbrock, Wolfgang: Mönche, Fischer und Bürger: 100 Jahre Landhauskolonie Schlachtensee. Heimat- und sozialgeschichtliche Skizzen, Berlin 1995, S. 73.

[18] Teltower Kreisblatt vom 28.09.1864.

[19] Vgl. Teltower Kreisblatt vom 13.01.1867.

[20] Darauf deuten jedenfalls Anzeigen und Berichte im Teltower Kreisblatt hin, vgl. Teltower Kreisblatt vom 06.05.1874 und 26.06.1878.

[21] Vgl. Teltower Kreisblatt vom 18.03.1882.

[22] Leserbrief im Teltower Kreisblatt vom 16.04.1882.

[23] Theodor Fontane: Fontane’s Führer durch die Umgegend Berlin’s. Nach eigener Erfahrungen bearbeitet und herausgegeben vom Touristen-Club für die Mark Brandenburg Teil IV Grunewald, Berlin 1894, zit.nach: http://forst-grunewald.de/sitemap/grunewaldseen/schlachtensee/

[25] Vgl. Ellerbrock, Wolfgang: Mönche, Fischer und Bürger: 100 Jahre Landhauskolonie Schlachtensee. Heimat- und sozialgeschichtliche Skizzen, Berlin 1995, S. 73ff.

[26] Vgl. Jürgen Wetzel: Zehlendorf, Berlin 1988, S. 78. Andere Berichte datieren den Bau der Hütte auf 1732. Zuvor habe der Zehlendorfer Schulze bereits seit 1610 eine „kleine Fischerei“ am Schlachtensee betrieben. Vgl. Klaus-Dieter Wille: Berliner Landseen I, Berlin 1974, Auszug unter: http://forst-grunewald.de/sitemap/grunewaldseen/schlachtensee/

[27] Theodor Fontane: Fontane’s Führer durch die Umgegend Berlin’s. Nach eigener Erfahrungen bearbeitet und herausgegeben vom Touristen-Club für die Mark Brandenburg Teil IV Grunewald, Berlin 1894, zit.nach: http://forst-grunewald.de/sitemap/grunewaldseen/schlachtensee/

[28] Vgl. Friedrich Dehmlow: Die Verkaufsurkunde für Berlin-Zehlendorf vom Jahre 1242 un das Dorfordnungsbuch von 1686, in: Jahrbuch für Brandenburgische Landesgeschichte, 19. Band, Berlin 1986, S. 102-107.

[29] Wetzel, Jürgen: Zehlendorf, Berlin 1988, S. 35.

[30] Vgl. von Müller, Adrian: Museumsdorf Düppel. Lebendiges Leben im Mittelalter, Berlin 1961, S. 17ff.

[31] Klaus-Dieter Wille: Berliner Landseen I, Berlin 1974, Auszug unter: http://forst-grunewald.de/sitemap/grunewaldseen/schlachtensee/

[32] Bernhard Thurn: Volksbuch Märkische Heimat, 1891, zit. nach: Ellerbrock, Wolfgang: Mönche, Fischer und Bürger: 100 Jahre Landhauskolonie Schlachtensee. Heimat- und sozialgeschichtliche Skizzen, Berlin 1995, S. 29.

[33] Vgl. Klaus-Dieter Wille: Berliner Landseen I, Berlin 1974, Auszug unter: http://forst-grunewald.de/sitemap/grunewaldseen/schlachtensee/

[34] Historische Kommission zu Berlin: Zehlendorf, Berlin 1992, S. XVIII.

[35] Teltower Kreisblatt vom 19.04.1884.

[36] Teltower Kreisblatt vom 28.05.1889.

[37] Vgl. ebd.

[38] Vgl. Ellerbrock, Wolfgang: Mönche, Fischer und Bürger: 100 Jahre Landhauskolonie Schlachtensee. Heimat- und sozialgeschichtliche Skizzen, Berlin 1995, S. 73.

[39] Teltower Kreisblatt vom 11.06.1892.

[40] Hermann Berdrow: Der Grunewald. Schilderungen und Studien, Berlin 1902, zit nach: http://forst-grunewald.de/sitemap/grunewaldseen/schlachtensee/

[41] Vgl. Tagesspiegel vom 15.10.2005.

[42] Vgl. Historische Kommission zu Berlin: Zehlendorf, Berlin 1992, S. XVII.

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